15/12/2017 - Es sind Leser verbunden
Etruskern, Monte Amiata, der Vulkan der Toskana
Panorama
Amiata und Kultur

Die Etruskern

Die frühesten archäologischen Funde im Umland von Pitigliano bezeugen, dass das Gebiet bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war. Diese ersten Niederlassungen bezogen sich auf Vieh- und Landwirtschaft betreibende Kriegsvölker. Viele Funde stammen aus der Bronzezeit. Zur Zeit der Etrusker erlebte das Gebiet einen starken Bevölkerungszuwachs. Sovana entwickelte sich auf dem Höhepunkt der etruskischen Kultur zu einem blühenden und lebendigen Zentrum, das durch zahlreiche Straßen mit Statonia, Saturnia, Cetona und Chiusi verbunden war. Sovana gehörte zum Herrschaftsgebiet des mächtigen Vulci und beteiligte sich somit an den von den Etruskern geführten Kämpfen gegen das Vordringen der Römer.

Nach dem Niedergang von Vulci festigte Sovana, wie auch das benachbarte Statonia, seine Vorrangstellung, indem es zum Munizipium aufstieg. Vom 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. erlebte Sovana eine beachtliche Blütezeit, wie die monumentalen Felsengräber bezeugen, mit denen sich die Nekropole schmückte. Die Anwesenheit römischer Kolonien ist hingegen in der Umgebung von Sorano und Pitigliano nachgewiesen. Wenn es ein Wort gibt, das symbolartig das Gebiet von Sorano und Pitigliano beschreibt, so ist es der Tuff, ein Element, das seit Urzeiten dieses Land charakterisiert.

Dieses Felsgestein vulkanischen Ursprungs ist das Hauptmerkmal dieser Gegend. Der Tuff hat hier eine Landschaft von einzigartiger Schönheit geformt, in der sich Schluchten, Abgründe und Hochplateaus abwechseln. An den Tuff ist die Geschichte dieses Teils der Maremma gebunden. In den Tuff haben die prähistorischen Stämme ihre Wohnungen gegraben (Hypogäen), die Etrusker haben hier ihre Nekropolen und Verkehrswege (Vie Cave) gebaut, und die römischen Siedler nutzten die Besonderheit dieses leicht zu bearbeitenden Felsgesteins für die Unterbringung von Kolumbarien, Becken, Gruben, Backöfen usw. Schon in frühester Zeit machten sich die ersten Siedlungen die natürliche Bodenbeschaffenheit zunutze. Die langsame, aber unaufhaltsame Erosion der Wasserläufe hatte den Tuff porös werden lassen und eine rauhe und unwegsame Umgebung geschaffen, die diese Dörfer mit wenigen Schutzmaßnahmen nahezu unangreifbar machte.

Schon die ersten Bewohner der größeren Dörfer hatten die Eigenschaften dieses Vulkangesteins erkannt. Sie waren imstande, Blöcke herauszuschlagen, die sich bearbeiten und zu Bausteinen verwenden ließen, da es sich um ein leicht abbaubares Gestein handelte, das an der Luft kompakter wurde.
Musste ein Gebäude erweitert werden, so konnten sie beliebig wählen, ob sie es nach oben vergrößern oder das Fundament ausgraben wollten, um so neue Räume zu schaffen, etwa für Keller, Abstellkammern, aber auch regelrechte Wohnräume, in denen das ganze Jahr über eine konstante Temperatur herrschte. Die umliegenden Gegenden waren sehr fruchtbar und eigneten sich für die Anlage von Weingärten und Olivenhainen, nachdem sich die verfestigte Vulkanasche durch die Witterungseinflüsse gelockert und in fruchtbaren Boden verwandelt hatte.
 

Für weitere Informationen: www.kaosmos.it

 

SORANO

Sorano liegt 378 Meter ü.d.M. auf einem Felssporn aus Tuffgestein hoch über dem Lente-Fluss, der das Städtchen auf drei Seiten einschließt.
Der Landschaftsaspekt definiert sich durch die Vulkanhügel der südlichen Toskana, die sich vom Monte Amiata bis zu den Tuffebenen um Viterbo und zur toskanischen Maremma hinziehen.
Das antike Städtchen Sorano überwältigt jedes Mal von neuem, und es ist fast unmöglich, das Gefühl zu beschreiben, wenn man urplötzlich vor diesem märchenhaft schönen Ort steht.
Die ungewöhnliche Anhäufung der Häuser, die mit dem Tuffmassiv verschmilzt, aus dem es herausgewachsen zu sein scheint, bietet einen faszinierenden Anblick, besonders wenn man von Sovana und von Castell'Azzara herkommt.
Wie in Pitigliano scheint auch hier die Zeit seit Jahrhunderten stillgestanden zu sein. Seit einigen Jahren ist jedoch der unaufhaltsame Impuls einer Wiedergeburt zu verspüren. Restaurierte Häuser und kulturelle Aktivitäten lassen erkennen, dass hier in dieser reizenden Ortschaft, weitab von der Hektik des städtischen Lebens, die richtigen Anstöße gefunden werden.

PITIGLIANO

Das Städtchen Pitigliano ( 313 Meter ü.d.M.) befindet sich im höheren Bergland der Maremma in einer schönen Gegend, wo die Zeit seit vielen Jahrhunderten stehen geblieben zu sein scheint. Der Eindruck ist überwältigend, gleich ob man von der Küste oder von den großen Städten anfährt.
Im Gegensatz zu anderen Orten, deren antike Strukturen durch die Manipulation des Territoriums oft radikal verändert wurden, verboten hier die morphologischen Bodenbedingungen jeden Eingriff. Wälder, Tuffsteinschluchten und reißende Flüsse haben das Gebiet abgeschirmt und so den antiken Zauber intakt erhalten.
Die landschaftliche Lage dieses Städtchens ist typisch für diesen Teil der Maremma, wo die antiken Orte hoch oben an den Rändern der Tuffsteinschluchten kleben und wo Zerr- und Flaumeichenwälder einen grünen Kranz von seltener Schönheit schaffen.

SOVANA

Sovana war eine bedeutende etruskische Stadt, die in der Römerzeit Munizipium war und später Bischofsitz wurde. Die höchste Blütezeit erlebte das Städtchen unter der Herrschaft der Aldobrandeschi. Als in den frühen Jahren des 14. Jahrhunderts die Macht von den Aldobrandeschi an die Orsini überging , zeigten sich die ersten Anzeichen einer unaufhaltsamen wirtschaftlichen und demographischen Krise, die dazu führte, dass die Bevölkerungszahl im Jahr 1833 auf nur 64 Einwohner schrumpfte. Der Wohlstand, den das Städtchen im 12. und 13. Jahrhundert unter den Grafen Aldobrandeschi erlangte, lässt sich noch an den Resten des mittelalterlichen Stadtkerns ablesen. Vor dem Ortseingang stößt man auf die Ruinen der Rocca Aldobrandesca. Die Burg aus dem 13. Jahrhundert wurde 1573 restauriert und im 17. Jahrhundert demoliert. An der Hauptstraße liegen die wichtigsten Gebäude: das Busatti-Haus, die Kirche Santa Maria und die Kathedrale. Die etruskische Nekropole befindet sich wenige Kilometer außerhalb der Ortschaft. Ihre Bedeutung liegt nicht in der Ausdehnung der Anlage, sondern in der Vielseitigkeit der Grabtypologien, die hier zu finden sind. Einige Gräber gehen auf das 7.-6. Jahrhundert v. Chr. zurück, doch gehört der überwiegende Teil der Gräber (mit komplexen und hoch entwickelten Formen) dem 3.-2. Jahrhundert an. Die berühmtesten Gräber sind: die Tomba della Sirena (ein Ädikulagrab mit vorgebautem Portikus und dekoriertem Giebel), die Tomba di Ildebranda (Tempelform, mit doppeltem Treppenaufgang und Säulen, deren Kapitelle mit anthropomorphen Motiven verziert sind), die Grotta Pola (mit acht Säulen an der Fassade) und die Tomba del Tifone (Ädikulagrab mit verziertem Tympanon).

VETULONIA

Vetulonia ist ein Ortsteil der Gemeinde Castiglione della Pescaia in der südlichen Toskana . Er liegt auf einem Hügel in einer Höhe von 344 m hoch über dem Tal der Bruna ca. 20 km nordwestlich von Grosseto und zählt ca. 500 Einwohner.

Der Ort ist etruskischen Ursprungs. Dionysios von Halikarnassos zufolge war Vetulonia im 7. Jahrhundert v. Chr. mit den Latinern gegen Rom verbündet. Silius Italicus berichtet über Vetulonias Eroberung durch die Römer, die den Küstenstreifen strategisch nutzten und möglicherweise einige Insignien ( Liktoren, Fasces, Toga ) von diesem dem etruskischen Zwölfstädtebund angehörigen Stadtstaat übernahmen. Auch Plinius der Ältere und Claudius Ptolemäus erwähnen Vetulonia.

An dem schiffbaren großen Salzsee, der sich in der Antike auf dem heutigen Gemeindegebiet in der Ebene ausbreitete ( Lacus Prelius ), hatten die Etrusker einen florierenden Hafen eingerichtet. Belegt ist der Handel mit Bernstein und mit Goldschmiedearbeiten. Über die Lagune bestand sowohl eine Verbindung zum Meer als auch zu der zweiten etruskischen Zwölfstädtebund-Metropole der heutigen Südtoskana, Roselle .

Schon in römischer Zeit jedoch verlor Vetulonia an Bedeutung. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Römer den Hügel überhaupt besiedelten. Die in der Spätantike einsetzende Versumpfung der Maremma , verbunden mit der Degeneration des etruskischen Kanalsystems durch den Lacus Prelius, schnitt die historisch gewachsenen Handelswege ab. Malaria machte in den kommenden Jahrhunderten weite Teile der Maremma unbewohnbar.

Über das mittelalterliche Vetulonia ist mangels Quellen wenig bekannt. Es trug den Namen Colonna di Buriano und war der Zankapfel zwischen der Abtei von San Bartolomeo di Sestinga und den Feudalherren Lambardi di Buriano . Die etruskische Vorgeschichte geriet in Vergessenheit.

1323 fiel das Gebiet an den Freien Stadtstaat Massa Marittima, der 12 Jahre später von der Republik Siena erobert wurde; im Folgenden teilte der Ort grundsätzlich Sienas Geschichte: 1555 Eroberung durch Florenz , 1569 Eingliederung ins Großherzogtum Toskana, ab 1737 Habsburgisch und ab 1860 zum italienischen Nationalstaat gehörig.

Der Arzt und Hobby-Archäologe Isidoro Falchi fand Ende des 19. Jahrhunderts die etruskischen Ruinen und wies in Colonna di Buriano die Identität des untergegangenen Vetulonia nach. Die Zuschreibung wurde anfangs von etablierten Archäologen bestritten, hat sich am Ende aber durchgesetzt. 1887 wurde dem Ort durch ein regionales Dekret sein antiker Name zurück gegeben.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die etruskischen Ruinen dokumentarisch aufbereitet und werden von Gruppen, Schulklassen sowie interessierten Touristen frequentiert. Die abseitige Lage der Ruinen, die mit Geduld über eine kurvenreiche Zufahrtsstraße durch ausgedehnte Olivenhaine sowie eine unasphaltierte Piste zu erreichen sind, verhindert jedoch infrastrukturell nicht verkraftbare Besucherzahlen.

ROSELLE

 

Rusellae, eine der zwölf alten Bundesstädte der Etrusker , lag auf einem Hügel mit zwei Gipfeln, der höhere davon 194 m über dem Meeresspiegel. 294 v. Chr. wurde die Stadt von den Römern erstürmt, 205 v. Chr. lieferte Rusellae Getreide und Bauholz für Scipios Flotte. Unter Augustus wurde sie römische Colonia . Später geriet sie in Verfall und fast in Vergessenheit, war jedoch bis in das 12. Jahrhundert Bischofssitz. 1138 wurde Roselle aufgegeben.

Reste der Stadtmauern, eines römischen Amphitheaters und einiger etruskischer Häuser sind erhalten.

CHIUSI

Chiusi , etruskisch Camars bzw. Clevsin , lateinisch Clusium , geht auf etruskische Ursprünge zurück. Hüttenreste und Keramikfunde reichen bis in die End bronzezeit und Villanovakultur, Nekropolen um die entstehende Stadt über dem Tal des Chiana stammen aus der Villanovazeit und der orientalisierenden Epoche, Kammergräber treten zuerst gegen Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts auf. Damals war Clusium schon ein bedeutender Ort in Etrurien , Zentrum von Agrarwirtschaft, Handel und Gewerbe, Vorort eines etruskischen Stadtstaates, Mitglied im etruskischen Zwölfstädtebund und wohl oligarchisch regiert. Einen archäologisch fassbaren Höhepunkt in der Entwicklung des Ortes stellt das 6. Jahrhundert v. Chr. dar.

Auch die römische Historiografie weiß von Clusium zu berichten. Danach rückte Lars Porsenna , der König der Stadt, nach dem Sturz des römisch-etruskischen Königs Tarquinius Superbus ( 510 v. Chr. ) auf Rom vor, er belagerte die Stadt und nahm sie wohl auch ein. Von Rom aus soll Porsenna versucht haben, seine Herrschaft über Latium auszudehnen, doch erlitt sein Sohn Aruns Porsenna vor der latinischen Stadt Aricia durch Latiner und Griechen unter dem Tyrannen Aristodemos von Kyme eine Niederlage (504/ 503 v. Chr. ). Der Vater musste sich daraufhin aus Rom wieder zurückziehen und kehrte wohl nach Clusium zurück, wo er wahrscheinlich irgendwann zu Beginn des 5. Jahrhunderts verstarb.

Inwieweit die politischen Rückschläge des 5. Jahrhundert v. Chr. ( Niederlage der Etrusker bei Cumae , 474 v. Chr. ) Chiusi beeinflussten, bleibt unklar. Römischer Geschichtsschreibung zufolge hat die Stadt im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Rolle beim Galliereinfall nach Mittelitalien gespielt: Ein Chiusiner Bürger namens Arruns habe die Gallier zum Einfall verleitet. Chiusi wird angegriffen ( 390 v. Chr. ), die Einwohner wenden sich nach Rom um Hilfe, der römische Gesandte Quintus Fabius Ambustus tötet den Anführer der Gallier, worauf sich diese gegen Rom wenden. Archäologisch wird im weiteren Verlauf des 4. Jahrhunderts ein Verfall Chiusiner Macht sichtbar.

296/ 295 v. Chr. war das Chiusiner Territorium Schauplatz der Kämpfe zwischen Römern, Etruskern, Galliern und Umbrern ( Schlacht von Sentinum ). In der Folgezeit wurde Chiusi immer mehr in den römischen Staat einbezogen, freilich bei Erhalt seiner aristokratisch-oligarchischen Ordnung. Im Jahr 205 v. Chr. , im 2. Punischen Krieg (218 - 201 v. Chr.) beteiligte sich die Stadt an der Ausrüstung des römischen Heeres, das in Nordafrika gegen Karthago zum Einsatz kommen sollte.

Nach dem römischen Bundesgenossenkrieg (91 - 89 v. Chr.) wurden die Chiusiner, nunmehr römische Bürger , der Tribus Arnensis zugeordnet. Der römische Dictator Silla (82 - 79 v. Chr.) gründete auf Chiusiner Territorium eine Veteranenkolonie. Chiusi war nun eine römisch-etruskische Stadt im unter römischer Herrschaft geeinten Italien, ein Verkehrsknotenpunkt zwischen Arno - und Tibertal , zwischen toskanischer Küste und dem Hinterland.